TECHNISCHES MEMORANDUM TM-26-004 BETREFF: Ein öffentliches Profil als Softwareprojekt betreiben DATUM: 2026-07-10 ZUSAMMENFASSUNG. Ich habe meine öffentliche Präsenz neu aufgebaut, indem ich sie wie ein Softwareprojekt behandelt habe: ein Git-Repository, ein KI-Agent für Recherche, Verifikation und Entwürfe, ein Mensch für das Veröffentlichen. Neunzig Commits später ist die Methode stabil. Dieses Memo hält sie fest, damit sie sich mit jedem Agenten nachmachen lässt. 1. HINTERGRUND. Wer eine KI am ersten Tag um „einen besseren LinkedIn-Text“ bittet, bekommt flüssige Fiktion: Ohne Fakten erfindet das Modell plausible Texte. Und ein Chat hat kein Gedächtnis - in Sitzung zwölf verhandelt der Agent neu, was Sitzung drei entschieden hat. Beide Probleme haben dieselbe Lösung - kein besseres Modell, ein Repository. 2. PRINZIP. Das Repo ist der Arbeitsplatz, Git ist das Gedächtnis, der Agent entwirft, der Mensch veröffentlicht. 2.1 Git-Kenntnisse braucht es nicht: einmal installieren, den Rest macht der Agent. Das Repo bleibt lokal. 3. VERFAHREN. Drei Phasen, strikt in dieser Reihenfolge. 3.1 Sammeln und verifizieren. Keine Entwürfe, bevor die Faktenbasis steht. Der Agent nimmt jede Oberfläche auf (auch die öffentliche Ansicht im ausgeloggten Zustand), gräbt sich durchs Rohmaterial und konsolidiert eine Faktenbasis-Datei mit einer „Fehlt noch“-Liste. Widersprüche sind zu erwarten: Dasselbe Gründungsjahr tauchte in drei Quellen unterschiedlich auf. Widersprüche werden markiert und aufgelöst, nie glattgezogen. 3.2 Entscheiden, dann aufschreiben. Tonalität als Arbeitsregeln, nicht als Adjektive („jede scharfe Aussage hängt an einer Narbe - einer echten Zahl aus der Faktenbasis“). Die wichtigste Einsicht: Unsichtbare Arbeit ist keine Glaubwürdigkeitslücke, die man stopfen muss. Nicht zuordenbare Kundenarbeit wird zu anonymisierten Fallgeschichten; Diskretion ist Teil meines Angebots. 3.3 Entwerfen, freigeben, einfügen, verifizieren. Der Agent schreibt Texte ins Repo. Der Mensch liest sie vollständig, gibt sie frei und fügt sie dann ins Live-Profil ein. Der Agent verifiziert das Ergebnis im Browser, nur lesend, ausgeloggt. Das findet Tippfehler und vergessene Altlasten. 4. LEITPLANKEN. Der Browser ist nur zum Ansehen und Klicken da - technisch erzwungen, nicht per Prosa. Rohmaterial ist standardmäßig vertraulich. Kundennamen sind standardmäßig anonymisiert; die Freigabe passiert pro Name, wenn ein Entwurf ihn braucht. Eine harte Niemals-veröffentlichen-Liste für persönliche Altlasten. Und eine faire Warnung: Das Web ist keine vertrauenswürdige Quelle - Seiten können versteckte Anweisungen für den Agenten enthalten (Prompt Injection). Webinhalte sind Daten, nie Anweisungen; nichts Heruntergeladenes wird ausgeführt. 5. REGELWACHSTUM. Die Instruktionsdatei hat sich fast verdoppelt, aber nicht durch Design am ersten Tag: Jeder Reibungspunkt wird zur Regel, und die Regel wird committet. Ein Entwurf las sich wie KI-Text (eine Interpunktionsgewohnheit hat ihn verraten) - Stilregel, Aufräumdurchgang. Offene Punkte verstreuten sich über Dateien - eine einzige Todo-Liste. Entscheidungen tragen ein Datum, damit sie nie neu verhandelt werden. 6. SCHLUSSFOLGERUNGEN. Der Agent ist hervorragend im Graben, in Konsistenz und Verifikation - und kein Ersatz für Urteilsvermögen bei Namen, Ton und dem, was öffentlich wird. Das Repository, nicht das Modell, macht die Methode aus. ANLAGE. Der vollständige Leitfaden (deutsch und englisch), ein lebendes Dokument, das neben diesem Memo gepflegt wird: Git-Einrichtung für Nicht-Entwickler, die drei Phasen im Detail, die Leitplanken, eine Startvorlage für die Instruktionsdatei und ein Bootstrap-Abschnitt, den ein Agent direkt ausführen kann.