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TECHNISCHES MEMORANDUM                                        TM-26-002

BETREFF:      Die Firma, die als 29 Lampen auf einer Bodenkarte
              angefangen hat
DATUM:        2026-07-09


ZUSAMMENFASSUNG. Im Mai 2015 habe ich beim Bau einer
Kunstinstallation auf der re:publica in Berlin geholfen: 29 Lampen
auf einer gemalten Europakarte, jede leuchtete live in der
Tageslichtfarbe eines Landes, gespeist von batteriebetriebenen
Sensoren, die wir an Freiwillige in der ganzen EU verschickt
hatten. Es sah aus wie ein Spielzeug. Es war eine Übung in
verteilten Systemen – und daraus wurden neun Jahre Firmenaufbau.

1. HINTERGRUND. Stephan Noller hatte gerade UBIRCH gegründet und
wollte zeigen, was „Internet of Things“ heißt, wenn die Dinge
wirklich verteilt sind – nicht auf dem Labortisch, sondern in
fremden Wohnungen, in anderen Ländern, hinter anderen Netzen. Der
Aufbau: autonome Lichtsensoren (ein Atmel 328, ein GSM-Modem, eine
Batterie), verschickt an Gastgeber in jedem EU-Mitgliedstaat; jeder
meldet das lokale Tageslicht an eine Lampe auf einer sechs mal
sechs Meter großen Bodenkarte in der STATION-Berlin. Ich kam dazu,
um beim Bauen zu helfen.

2. FESTSTELLUNGEN.

   2.1 Ein Sensor, den man verschickt, hat keine Remote Hands.
   Keine Shell, kein Reflash, kein „einmal aus- und wieder
   einschalten“. Energiebudget und Funkverhalten mussten stimmen,
   bevor der Karton zugeklebt war – mit Low-Power-Modi hielt eine
   Batterie länger als einen Monat.

   2.2 Die Logistik fiel früher aus als die Elektronik. Mehr als
   zehn Sensoren haben ihre Gastgeber nie erreicht; einer ist,
   soweit ich weiß, bis heute in China verschollen. Gegen
   Versandprobleme hilft kein Firmware-Update.

   2.3 Provisionierung ist ein Single Point of Failure – gleich
   zweimal. Erst gingen alle Sensoren auf einmal offline: Der
   Provider hatte unsere SIM-Karten versehentlich deaktiviert.
   Stephan hat das mit Telefonaten gelöst, nicht mit Code. Dann
   verweigerten die GSM-Module der Lampen auf dem Hallenboden das
   Netz – vermutlich ein Status-Cache; ich habe es Stunden vor
   Türöffnung behoben, per Kurzschließen der spannungslosen Module.

   2.4 Die Lampen liefen auf derselben Hardware plus RGB-LED, auf
   Betonsockeln, die Stephan selbst gegossen hatte – jeweils mit
   Land und Geokoordinaten des Gastgebers im Beton. Besucher
   konnten Europa per Tweet umfärben. Der spaßige Teil hat Tage
   gekostet; 29 Embedded-Geräte auf einem Konferenzboden am Leben
   zu halten, den ganzen Rest.

3. SCHLUSSFOLGERUNGEN. Die Distanz zwischen Prototyp und
ausgeliefertem System ist nicht rechnerisch, sie ist operativ:
Versand, Provisionierung, Strom und das Fehlen von Remote Hands.
Ein Kunstprojekt ist der beste Ort, das zu lernen – niemand kommt
zu Schaden, und alle schauen zu.

4. MASSNAHMEN. Während des Aufbaus fragte Stephan, ob ich bei der
frisch gegründeten UBIRCH einsteige. Ich sagte ja; auf dem Papier
wurde daraus 2016 Mitgründer und CTO. Es folgten neun Jahre
Vertrauensinfrastruktur, am Ende stand ein Backend, das
350 Millionen Impfzertifikate ausgestellt hat. Die Linie von den
Lampen zu den Zertifikaten ist kürzer, als sie aussieht: Man plant
ohne Remote Hands und respektiert die Teile des Systems, die aus
Pappe, Verträgen und SIM-Karten bestehen. Die Lampen haben die
Konferenz überlebt – zwei Jahre später wurden einige der Originale
an Fans verkauft.